"Die Welt ist das Chaos."

Kurz nach der Premiere am 24.10 konnte auch ich die Neuinszenierung von Dantons Tod im Burgtheater sehen.

Ich saß oben in der Galerie, zweite Reihe und das nicht zum ersten Mal. Auch die sechs Stunden Hamlet habe ich da oben verbracht, trotzdem muss ich immer wieder staunen, wie gut man das Geschehen auf der Bühne verfolgen kann und vor allem, wie klar und deutlich alles Gesprochene zu hören ist. Normalerweise ist es in der Galerie recht leer, doch an dem Abend war es selbst hier oben kuschelig gefüllt und es herrschte eine gespannte Stimmung.

Der Vorhang wurde gelüftet und eine aufwendige zweistöckige Metallkonstruktion auf einer Drehbühne kam zum Vorschein. In der Mitte war eine Tribüne platziert, die stark an ein Podest wie bei einer Hinrichtungen erinnerte. Im Verlauf des Stücks dreht sich die Bühne und mit einer unglaublichen Ausdauer, die ich nach den zwei Stunden nur bewundern konnte, rannte Joachim Meyerhoff, Danton, immer wieder um sie herum. Neben der Bühnenkonstruktion arbeitet die Inszenierung auch mit Musik, Liedern, Video und Gesang.



Meine Highlights

In der ersten Hälfte wird ein Schreiben vorgelesen, doch nicht einfach von einer Person. Während Dantons Frau Julie anfängt zu lesen, beginnt sich die Bühne auch wieder langsam zu drehen. Andere Personen steigen nun ein. Für einige Sätze überlappen sich die Leser, dann hört man wieder nur einen. Manche Stimmen sind durch ein Mikrophon verstärkt oder haben einen Nachhall erfahren. Das Schreiben ist etwas länger, vielleicht vergehen fünf Minuten, doch keine Sekunde musste ich es als mühsam empfinden. Es ist spannend und intensiv, jedes Wort hat seinen eigenen Nachhall und ganz eigene Intensität.

Ebenso interessant ist Robespierres Ansprache , gespielt von Michael Maertens, an das Volk gestaltet. Er steht auf der zweiten Ebene der Bühnenkonstruktion, vor ihm eine Kamera, die Bühne dreht sich und Danton läuft seine Runden. Es sind mehrere Bildschirme auf der Bühne angebracht, die wir abwechselnd zu sehen bekommen. Robespierres Stimme schallt durch das Theater, sein auf Bildschirm vergrößertes Gesicht zeigt uns jede Gefühlsregung. An einem Punkt stellt er sich so nahe an die Kamera, dass man nur das Auge sehen kann, dann nur seinen Mund und beim Sprechen seine Zähne.

Eine dritte Szene, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist der Monolog des Thomas Payne, gespielt von Ignaz Kirchner. Es geht um Gott und seine Existenz. Obwohl der Text schwierig, der Inhalt bedeutungsvoll und die Argumentation verschachtelt ist, bleibt es doch ein Genuss ihn zu hören und ihm zu folgen. Zu diesem Zeitpunkt spielte das Stück schon um die Stunde oder länger, das ist schwer zu sagen. Robespierre und Danton haben schon hoch philosophisch über die Revolution gesprochen. Aber ich konnte nicht anders, als jeden Satz mit Spannung zu verfolgen und die Winkelzüge nachzuvollziehen, was sicherlich an der grandiosen Spielkunst lag, da ich Büchners Werk davor gelesen hatte und mehr Kopfschmerz als Faszination dabei empfand.
Kritik

Ich weiß, dass manche Stücke keine Pause zulassen. Bis jetzt ist mir selbst auch noch keine Stelle eingefallen, an der eine Pause irgendwie gepasst hätte. Jede Unterbrechung hätte die Stimmung kaputt gemacht. Aber Dantons Tod ist kein leichtes Stück. Als Zuschauer musst du aufmerksam sein und ständig konzentriert bleiben. Es ist viel auf der Bühne zu sehen und die Texte sind anspruchsvoll, immerhin behandeln sie ja auch ein sehr schweres Thema. Obwohl mir das Stück sehr gut gefallen hat und ich es jedem empfehlen würde, waren die letzten fünfzehn Minuten etwas aufreibend. Einerseits wollte ich gespannt bleiben, andererseits hätte ich alles dafür gegeben, mich bewegen zu können!

Fazit

Büchners Werke sind sicher nicht leicht zu verdauen und keineswegs das Entspannteste, was man sich an einem Abend zumuten sollte wenn man müde oder ausgelaugt ist. Dafür kommt man, wagt man sich doch hinein, in den Genuss einer unglaublich aufwendigen Inszenierung mit sehr gutem Schauspiel. Ich hatte einen Freund dabei, der sowohl Theater- als auch Büchnerneuling war und er hat mir versichert, dass er einen tollen Abend hatte.

Viel Spaß bei eurem nächsten Theaterbesuch!

30.10.14 13:14

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